Ein handliches Heftchen mit Tipps und Infos zum Weitergeben
Hier die JSJ-Broschüren bestellenHyperaktive Kinder – ein neues „Etikett“ des uralten Wunsches nach Zuwendung
Frau Dr. Elke Grote aus Berlin beschäftigt sich derzeit in ihrem Praxisalltag viel mit ADS (hyperaktiven Kindern). Angeregt durch Artikel aus der Rubrik „Jin Shin Jyutsu in der Schule“ wandte sie sich an die Redaktion, um zu dieser Problematik in Erfahrungsaustausch mit JSJ-Praktikern zu treten. Wir wandten uns an Brigitte Röhrig, die uns folgende einfühlsame Betrachtungen zusandte. Zugleich bitten wir um die Zusendung weiterer Erfahrungsberichte.
Seit Jahrzehnten ergeben klinische Tests, dass weltweit unabhängig von Kultur und Rasse ca. 50 % der Kinder HKS (hyperkinetisches Syndrom) aufweisen.
In unserer subjektiven Wahrnehmung jedoch hat die Zahl der auffälligen, unruhigen Kinder stark zugenommen. In Kindergarten und Schule beeinflussen sie die Atmosphäre und beanspruchen die Energie aller, die mit ihnen zu tun haben.
Die Not der Betroffenen ist nicht zu übersehen und so ergaben sich verschiedene Wege, sie zu lindern. Je nach Fokus und Ansatz der Theorie wechselte auch die Bezeichnung – im Augenblick wird vor allem von ADS (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom) gesprochen.
Die Situation hat sich nicht geändert, verfügt jetzt aber über einen Namen, ein „Etikett“. Bevor eine Störung festgestellt werden kann, muss sich jemand gestört fühlen. Wer ist das? Was stört?
Diese Kinder reagieren sehr sensibel auf ihre Umgebung und spiegeln deren Zustand wider. Wenn wir ihre Signale ernst nehmen (statt sie auszugrenzen), zwingen sie uns zum Nachdenken, Überprüfen, Neudefinieren von dem, was ist und wie wir es uns wünschen.
„Chaos ist Fortschritt“! Im Umgang mit solchen Fragen hilft es mir immer, mich auf das „big picture“ zu besinnen und so Zugang zur Harmonisierung zu finden.
In diesem Fall geht es um Zentrierung. Die Kinder suchen Halt und greifen in ihrer (unbewussten) Verzweiflung zu Verhaltensweisen, mit denen sie Zuwendung erzwingen.
Damit meine Mitte dabei nicht verloren geht, ist es also zunächst (wie immer) wichtig, für meine eigene Stabilität zu sorgen. Dann können alle Möglichkeiten genutzt werden, von denen ich spüre, dass sie weiterhelfen.
In der Schule habe ich sehr gute Erfahrungen mit Stillephasen gemacht; die Kinder sitzen dann auf ihren Händen, halten Finger oder geben sich eine große Umarmung. Dabei rege ich an zu spüren, wie es ihnen gerade geht und was ihnen helfen könnte (auch, um weiter arbeiten zu können). Überkreuzungsbewegungen und Balanceübungen unterstützen ebenfalls.
Bei alldem ist interessant, dass die Bereitschaft, sich darauf einzulassen, vorhanden ist, ja sogar noch wächst, wenn gute Erfahrungen damit gemacht werden.
Meist sind es Mädchen, die die „träumende“ Form (ADS) zeigen. Sie fordern nicht unbedingt, dass wir auf sie eingehen. Doch ist dies ebenso dringend, weil sich die Symptome sonst während der Pubertät verlagern – z. B. in Form von Essstörungen.
Ein weiterer wichtiger Zugang ist herauszufinden, was diese Kinder wirklich interessiert, was sie sich von Herzen wünschen. Das ist nämlich der Bereich, dem sie sich voller Konzentration zu widmen vermögen, dem sie sich von innen her nähern und mit dessen Hilfe neue Verhaltensweisen eingeübt werden können.
Auch hier geht es also wieder darum, sich selbst immer besser kennen zu lernen. Helfen wir unseren Kindern, ihren Weg zu finden und gehen zu können!
Von Brigitte Röhrig, Bonn aus: The Main Central Nr. 18, Sommer 2004
