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Jin Shin Jyutsu-Selbsthilfe im Hospiz

Ein Interview mit Marianne Staib aus Ravensburg, das von Ute Schraut geführt wurde.

Liebe Marianne, es freut mich sehr, dass wir uns heute über deine Erfahrungen in der Selbsthilfe-Schulung von JSJ in einem Ravensburger Hospiz unterhalten.

Liebe Ute, ich freue mich, dies mit Dir und den Lesern zu teilen.

Marianne Steib


Marianne Staib ist JSJ-Selbsthilfelehrerin


Wie ist es dazu gekommen, dass Du diese Schulung in einem Hospiz angeboten hast? 

Eine Teilnehmerin meiner JSJ-Selbsthilfe-Gruppe ist ehrenamtlich im Hospiz tätig und hat JSJ als Fortbildung für die ehrenamtlichen KollegInnen der Einrichtung vorgeschlagen. Der Vorstand des Hospiz-Vereins hat mich daraufhin angesprochen, sein Interesse an mir als Selbsthilfe-Lehrerin bekundet und mich dann beauftragt die EhrenamtlerInnen zu schulen.

Wie war dein Vorgehen und wie viele Teilnehmer hast du in JSJ eingeführt?

Wir einigten uns über eine Kursreihe von sechs Terminen jeweils 75 Minuten.

Mir war von Anfang an klar, dass ich gerne mit den Inhalten von Selbsthilfe Buch 1 unterrichten und praktizieren wollte.

Ich startete beim ersten Termin mit dem Hauptzentralstrom und beim zweiten Mal ging es zu den Fingern. Ein Teilnehmer signalisierte, die Finger und Einstellungen seien für ihn der ideale Einstieg in die Kunst. Ich habe die Theorie und die praktischen Übungen gleich gewichtet. Den Blasenstrom haben die Teilnehmer sich gegenseitig auf der Liege geströmt. Am letzten Tag haben wir uns den konkreten Fragen zum Hospizalltag gewidmet.

Hier habe ich einige Impulse und Anleitung für die Teilnehmer gegeben. Ich bot einfache Lösungen an, die leicht praktikabel sind. Ein wichtiger Bestandteil war der Finger-Zehen-Strom. Der Kurs mit Martina Six zum Thema “endlich- Annäherung an das Sterben…“ , den ich im April 2025 besuchte, hat mir hier wertvolle Impulse gegeben. Mir war wichtig, auch die Angehörigen mit einzubeziehen und für sie Tipps zu geben, was sie sich in der Phase der Sterbebegleitung und danach strömen können. Der Hospizverein zahlte die Kursgebühr, und es gab insgesamt elf Teilnehmer.

Wie war die Reaktion auf JSJ und wie wurde das Format angenommen?

Anfänglich möchte ich gerne noch sagen, dass die Mitarbeiter zwar gefragt wurden, ob es Interesse an einem Kurs zu Jin Shin Jyutsu gäbe, aber für mich liegt ein elementarer Unterschied darin, ob ich einen Kurs geschenkt bekomme oder selber buche und zahle. Wenn etwas nicht selbst gebucht und dazu gratis ist, wird es oft nicht so ernst genommen oder die Motivation fehlt. So erkläre ich mir die schwankende Teilnehmerzahl. Es gab allerdings eine Gruppe von Begeisterten und Interessierten von über 50% die regelmäßig dabei waren und sehr offen waren für die Kunst.

Das Format selber wurde gut angenommen und wir hatten interessante Stunden. Meine Struktur und meine Präsentation der Inhalte gefiel mir von Termin zu Termin besser und die anfängliche Aufgeregtheit des ersten Termins war beim zweiten Mal schon wie verflogen. 

Gab es Erwartungen und Wünsche der Teilnehmer?

Ich habe dies im Vorfeld abgefragt und die Antworten waren: Neugierde, Lust auf neues, Neuland – keine Erwartungen, bereichernd, für meine Arbeit mit Sterbenden, und eine Dame, die die Kunst schon kannte, sagte “Ich, möchte meinen JSJ-Horizont erweitern.”

…und wie war das Feedback hinterher?

Ein Teilnehmer hatte Schwierigkeiten, sich auf die Übungen einzulassen, der Rest hat erste Spür-Erfahrungen gesammelt. Und es gab Freude, Begeisterung und eine hohe Zufriedenheit mit der Vermittlung der Inhalte. Manche Teilnehmer hätten sich noch mehr praktische Übungen gewünscht. Ich war mit dem Kursprogramm bezüglich des Zeitrahmens und der Inhalte sehr zufrieden und würde es wieder so machen. 

Ganz besonders wertvoll waren für mich die Erfahrungen, die ich vor dem Weltenwechsel meines Vaters – im vergangenen Jahres – sammelte. Diese konnte ich mit in den Kurs einfließen lassen. Mein Vater hat mich in seiner Abschiedsphase gelehrt, dass weniger oft mehr ist, dass ein tiefer Spürsinn und eine große Achtsamkeit im Umgang mit diesen Menschen erforderlich ist.

Ebenfalls durfte ich lernen, das gewisse Phänomene einfach Bestandteil eines solchen Abschiedsprozesses sind z.B. das regelmäßige Stöhnen meine Vaters. Ich lernte sie so, wie sie sind anzunehmen, bedingungslos und ohne Erwartungen. Und was wir in solchen Zeiten uns einfach immer wieder fragen dürfen, was halte ich selber nicht aus? Ist es seine oder meine Unruhe? 

Was hat Dich noch bewegt im Rahmen des Kurses mit Sterbebegleitenden? 

Besonders deutlich ist mehr geworden, dass Teilnehmer oft nach Lösung fragen. Was mache ich wenn…?… und das nicht alles sein darf. D.h. die Geduld ist auch hier ein zentrales Thema. Habe ich die Ausdauer und die Bereitschaft mich auf den Prozess des Sterbens einzulassen – auch wenn ich ihn nur begleite?

Oder, will ich ein Hausmittel, welches garantiert hilft?

Bin ich in der Lage, es als ein Hilfsmittel für mich selbst anzusehen – “Erkenne mich selbst es ist.”. Es ist so ein vielschichtiger Prozess und für mich war es eine kostbare Erfahrung. Frei nach Loriot endete mein Selbsthilfekurs mit dem Satz: ”Ein Leben ohne JSJ ist möglich – aber sinnlos!”

Was für ein schönes Ende, vielen Dank, liebe Marianne.

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