Ein Besuch bei der strömenden Ordensschwester Christophera in Freiburg

Judith mit Schwester Christophera im Kloster Lioba in Freiburg

Wurzeln

1932 wurde Schwester Christophera geboren und wuchs im badischen Odenwald, in Mosbach-Mudau (Diözese Freiburg) auf. Das Elternhaus war „arg religiös“ und zur Heirat hat es sie nicht gedrängt.
Im Jahr 1959 setzte sie ihren Wunsch, ins Kloster zu gehen, in die Tat um. „…wir hatten zuhause ein Baugeschäft und da habe ich …die Buchführung gemacht. Und früher … wurden die Maurer im Winter abgemeldet – es war zu kalt, und dann auf den 1. April wieder angemeldet. Und da habe ich gesagt, am ersten April muss ich aus dem Haus sein.“

„… und dadurch bin ich hier so schnell gewesen. Ich sag immer den Schwestern hier, die haben hier noch keine Schwester schneller gehabt als mich.“

Eintritt ins Kloster

Schwester Christophera hat immer wieder Führungen erlebt und ihre erste war die Begegnung mit dem Kloster Lioba, in welches sie mit 27 Jahren eintrat.

„…ich bin 65 Jahre jetzt im Kloster. Ins Kloster zu gehen ist ja ein religiöser Vollzug. Das muss man als Erstes sagen. ….. Und zwar habe ich mir ein Kloster ausgesucht gehabt – das war ´59 -und dann hat´s geheißen, in dieses Kloster passe ich nicht. Nun ja, habe ich gedacht… da habe ich gesagt, dann gehe ich halt nach St. Lioba! Sie trat im Alter von 27 Jahren ins Kloster St. Lioba ein.

Aus- und Fortbildungen

Zunächst standen ihre Lehrjahre, das Noviziat, in der christlichen Ordensgemeinschaft im Vordergrund. Dann zog es Schwester Christophera 1964 zur Ausbildung in der Altenpflege nach Frankfurt, da es in Baden-Württemberg diese Option noch nicht gab. Der Frankfurter Ausbildung fehlte zu der Zeit noch die staatliche Anerkennung. Da das Regierungspräsidium beim Examen vertreten war, wurde Schwester Christophera ein Jahr später als „staatlich geprüfte Altenpflegerin“ anerkannt.

Als Altenpflegerin arbeitete sie in verschiedenen Heimen, bevor sie zurück ging in ihren Orden nach Freiburg. Da hier die Schwesternschaft noch zu jung war um gepflegt zu werden, hatte Schwester Christophera die Idee noch etwas dazu zu lernen. Die Klosterführung mit Beziehung zur Baumann-Massageschule in der Schreiberstrasse in Freiburg schlug die Massage-Ausbildung vor. So absolvierte Schwester Christophera dort diese zusätzliche Ausbildung, und bezeichnet ihre Kompetenz in der Massage als Geschenk ihres Lebens und als eine zweite Führung. Darauf folgte ein halbjähriges Volontariat in der Uniklinik in der Krankengymnastik.

Im Laufe der Jahre besuchte sie noch viele Fortbildungen, u.a. eine vierwöchige Schulung in Lymphdrainage nach Dr. Asdonk.

Portrait Schwester Christophera

Selbständigkeit im Kloster

Nach Absprache mit der Priorin ging Schwester Christophera die Praxisgründung an.
„…wissen Sie, ich bin von zuhause aus selbständig geboren…dann musste ich aufs Gesundheitsamt zur Praxiseröffnung und Kassenzulassung“. Der Leiter des Amtes sagte zu ihr „Schwester, so Leute wie Sie kommen nicht oft, die im Kloster selbständig werden wollen.“
Darauf antwortete sie: „jetzt habe ich alle Papiere …und ich muss doch die Schwestern nicht umsonst behandeln, wir zahlen ja unseren Beitrag auch“. 1971 erhielt sie vom Kassenamt alle Kassenzulassungen.

Zunächst hatte sie ein Behandlungszimmer. Von 1974 bis 2022 umfasste ihre Praxis: ein Wartezimmer, eine Unterwassermassage, einen Behandlungsraum, einen Raum mit einer medizinischen Badewanne, ein Fußbad und Möglichkeiten zur Fango-Behandlungen. Dies sprach sich in Freiburg rum, und die Ärzte schickten ihr Patienten.
Den Weihbischof von Essen behandelte sie mit Beinumschlägen, Lymphdrainage und Jin Shin Jyutsu.

Jin Shin Jyutsu

Eine 80-jährigen Klientin schenkte ihr 2002 ein Buch über Jin Shin Jyutsu. Die Empfehlung kam von einer Freundin, deren Tochter in der Stadt von Petra Elmendorff geströmt wurde. Schwester Christophera besuchte daraufhin 10 Privatstunden bei Petra als Vorbereitung für ihren ersten 5-Tage Kurs.

Es folgten ihre drei 5-Tage Kurse in Freiburg, die sie bei Petra und Mona absolvierte. Und später kamen alle Themenkurse, die Petra oder andere LehrerInnen Freiburg gaben, dazu.

Gerne hat sie ihre Mitschwestern im Fingerhalten unterrichtet.
Die Lymphdrainage kombiniert sie erfolgreich mit dem Strömen und findet die Wirkung großartig. Schwester Christophera hat den Eindruck, dass die Lymphdrainage durch das Strömen tiefer wirkt, und die Klienten beim Strömen dann ihre Ruhe finden. Besonders freut sie sich, wenn auch die Klienten wahrnehmen, wie feinfühlig sie in der Behandlung vorgeht.

„… also ich sage, Strömen ist Üben, nicht nur können…du musst spüren… ich arbeite nur nach den Büchern. Die Bücher sind so gut ausgearbeitet, ich habe das Strömen nicht erfunden, ich bin ein guter Handwerker!“
„…ich arbeite immer nur bis die Zeit vorbei ist nicht länger, und wenn jemand sperrig ist, mache ich es von beiden Seiten.“
Für die Selbsthilfe empfiehlt sie gerne die Bücher von Waltraud.

Bei einer Rheumapatientin konnte sie durch den Leberstrom erreichen, dass das Cortison abgesetzt wurde. Die Dame ist heute noch ihre Klientin.

Philosophie und Spirituallität

Für Schwester Christophera ist Jin Shin Jyutsu eine wertfreie Philosophie. Das rechnet sie auch Petra hoch an, die es immer wertneutral dargestellt hat. Seit 1970 meditiert sie. Sie hat es bei einem großen Meister in Bayreuth gelernt.

Die Dreieinigkeit hat einen hohen Stellenwert für sie. Strömen und Meditieren ist eine gute Kombination. Die Führung und die Anbindung sind immer dabei. Für sie fließen Therapie und Spiritualität von Grund auf zusammen.

„…das Strömen hat mir so viel gebracht. Das ist … meine Altersarbeit.“

Dreieinigkeit im Kloster Lioba

Moderne Darstellung der Dreieinigkeit in der Meditations-Kapelle

Weitere Erlebnisse im Kloster

Sie schwärmt von den vielen interessanten und besonderen Mitschwestern in St. Lioba -unter anderem eine Tanzlehrerin, Schwester Irinea, eine Lehrerin und viele mehr.

Schwester Christophera ist auf dem Lande aufgewachsen. Deshalb bereitet ihr der Klostergarten, u.a. mit roten Rüben, Zucchinis, Rettich und 20 verschiedenen Kräutern, große Freude.
Es war ihr wichtig: „…, dass ich in der Natur war und etwas getan hab.“
Bis vor neun Jahren gab es eine sehr versierte schlesische Mitschwester.
Von ihr wurde sie angeleitet und hat viel von ihr gelernt.

St.Lioba ist ein ganz besonderes Kloster mit so vielen Möglichkeiten und so offen.
„… und deswegen hat der liebe Gott mich gar nicht irgendwo anders hingelassen.“

Eine Zusammenfassung des Interviews mit original Zitaten nach einem entspannten Gespräch und Besuch ihres Therapie-Raums.

Der Klostergarten

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