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Interview mit Jed Schwarz

von Christine Eschenbach, Herausgeberin des Main Central

Lieber Jed, ich durfte dich das erste Mal vor vielen Jahre auf einem 5-Tagekurs in Hamburg kennen lernen, den damals noch Bettina Roschewitz organisierte. Seitdem schaue ich gerne, wann und wo du auf einem Kurs in Deutschland zu finden bist. Meinen Dank auch für die Artikel, die du für die Leser unserer Zeitschrift auch dann ganz unkompliziert weitergeschrieben hast, als der amerikanischen Newsletter seine Arbeit eingestellt hat. Eine Liste der Artikel, die im Main Central zu finden sind, veröffentlichen wir am Ende dieses Beitrages. 

Heute sind wir für ein Interview für die Sommerausgabe 2026 zusammengekommen. 

Jeder JSJ-Lehrer hat seine eigene individuelle Geschichte, seinen eigenen Lebenshintergrund, was er als Geschenk mit in die Kurse einbringt. So wollte ich als erstes das stets individuelle Geheimnis wissen, wo und wie du JSJ das erste Mal begegnet bis?

Jed Schwarz:

„Darüber muss ich einen Moment nachdenken. Ich arbeitete als Physiotherapeut in einem Kinderkrankenhaus und suchte nach Möglichkeiten, den Kindern wirksamer helfen zu können. Es war 1981, und ich erkundete verschiedene komplementäre Ansätze. Ein Freund empfahl mir, einen Kurs bei Mary Burmeister zu besuchen, der zum ersten Mal in New York City angeboten wurde. Philomena Dooley war die Organisatorin. Davor hatte ich noch nie von JSJ gehört.

Einige Monate vor diesem Kurs mit Mary hatte einer meiner Freunde an einem Jin-Shin-Jyutsu-Wochenendkurs teilgenommen, der von jemand anderem unterrichtet wurde und den er als sehr wirksam empfand. Er wusste nicht, warum ein anderer Kurs unter dem Namen Jin Shin Jyutsu angeboten wurde. Es stellte sich heraus, dass dieser Kurs von einer Frau unterrichtet wurde, die Mary Burmeisters ursprüngliches Material übernommen, die Nummern der Sicherheitsenergieschlösser verändert und es unter einem anderen Namen gelehrt hatte. Als wir Marys Kurs besuchten, wandte sich mein Freund nach der ersten Pause zu mir und sagte: „Das hier ist die wahre Quelle des Materials und der vorherige Kurs, den ich besucht habe, war von Mary plagiiert.“ Er sagte das, ohne jemals etwas über die Vorgeschichte zu wissen. Mary war das Echte, und das spürte man, wenn man in ihrer Gegenwart war.

Marys Worte und ihre Weisheit haben mich tief berührt. Sofort wurde mir klar, dass ich diesen Kurs für mich selbst besuchte und nicht nur, um Techniken zu lernen, mit denen ich den Kindern helfen konnte, mit denen ich im Krankenhaus arbeitete. Von diesem Zeitpunkt an begann ich, JSJ in mein Leben zu integrieren. Mary begann den Kurs mit einem Vortrag darüber, was es bedeutet, tiefe Wurzeln zu haben. Wir können die Früchte des Baumes nutzen, aber ohne eine Verbindung zu den Wurzeln können diese Arbeit und das Leben nicht weiterbestehen. Dort wollte ich sein.

Ich konnte Jin Shin Jyutsu sofort bei meiner Arbeit mit Kindern anwenden. Ich arbeitete still und unauffällig mit JSJ im Hintergrund, um keine Aufmerksamkeit auf meine neue und andere Arbeitsweise zu lenken. Die Ergebnisse waren bemerkenswert.

Philomena lud Mary Burmeister weiterhin einmal im Jahr nach New York ein und ich nahm an allen Kursen teil. Der Kurs im Jahr 1981 war recht klein, mit etwa 20 Teilnehmern, und dauerte fünfeinhalb Tage. Jedes Jahr wuchs die Zahl der Teilnehmer, da sich die Kunde von JSJ und Mary verbreitete. Beim letzten Kurs in New York im Jahr 1989 waren es ungefähr 140 Menschen.

Damals war Mary Burmeister die Einzige, die JSJ unterrichtete, und sie war sehr gefragt. Sie jonglierte mit einer gut ausgelasteten Praxis und einem vollen Lehrplan. Ich tat mein Bestes, um in jedem ihrer Kurse alles aufzunehmen, was ich konnte. Ich kam eine Stunde früher, um mir einen Platz in der ersten Reihe zu sichern, damit mir keines ihrer Worte, ihrer Gesichtsausdrücke oder Gesten entging.

Während der praktischen ‚Hands-on‘-Körperlesungen ging Mary zwischen den verschiedenen Behandlungsliegen umher, sprach mit den Studenten und behandelte sie. Es gelang mir, bei diesen Demonstrationen die Person zu sein, die das Mikrofon hielt. Auf diese Weise sorgte ich dafür, nah genug zu sein, um alles zu sehen und zu hören, was sie teilte. Ich wollte so viel wie möglich von der Meisterin lernen.

Beobachten zu können, wie Mary mit jedem Menschen anders interagierte, war für sich genommen bereits ein einzigartiges praktisches Studium darüber, wie eine Meisterin diese Arbeit lebt. Da ich ihr im Unterricht so nahe war, wurde Mary natürlich auf mich aufmerksam, und mit der Zeit entwickelte sich zwischen uns eine tiefe Freundschaft.

So viel zu deiner Frage. Das war mein Weg zu JSJ.“

Christine Eschenbach:

Vielen Dank. Es ist wichtig und wunderbar, ein Stück gelebter JSJ-Geschichte von dir zu hören.

Wann und wie kam es dazu, dass du einer unserer Lehrer für die 5-Tage-Kurse geworden bist?

Jed Schwarz:

„Es war 1994, als ich zusammen mit Waltraud, Matthias Roth in Deutschland sowie Lynne Pflüger und Susan Brooks in den USA gefragt wurde, ob ich Lehrer werden wolle. Damals wurden wir einfach eingeladen, dem Lehrkörper beizutreten; es gab kein Lehrerausbildungsprogramm, das man absolvieren musste. Wir schlossen uns zu einer Art Mentoren-Gruppe zusammen, besuchten Kurse, erhielten Sitzungen und unterstützten einander. Bis heute arbeiten Waltraud und ich als Kollegen zusammen. Wir sind Jin-Shin-Jyutsu-Bruder und -Schwester.“

Christine Eschenbach:

Gibt es derzeit ein besonderes Interessengebiet, das dich anzieht und das du intensiver erforschst? Könntest du es uns vielleicht als Spezialthemenkurs zugänglich machen oder entsteht daraus vielleicht ein Artikel für die Zeitschrift?

Jed Schwarz:

„Viele Jahre lang lag mein Schwerpunkt darauf, Energie und die Bewegung von Energie im Körper zu verstehen. Meine Studien waren darauf ausgerichtet, ein tiefes Verständnis der Ströme zu gewinnen, die Jiro Murai durch Mary aufgezeichnet hat.

Heute konzentriere ich mich auf einen bestimmten Satz auf der unnummerierten Seite von Text 1: Unsere Fortschritte im Jin Shin Jyutsu (Physio- Philosophie) hängen von der Treue zu den überbrachten Vorgehensweisen dieser Kunst und von der ungehinderten Kommunion mit dem Schöpfer ab. (Siehe Text 1)

Eine ungehinderte Kommunion mit dem Schöpfer ist nichts, was man in einem Kurs lehren kann. Es ist ein Raum, den wir durch innere Entwicklung erreichen müssen. Es geht nicht nur darum, die Worte zu lesen, sondern einen Fokus zu entwickeln, unsere Persönlichkeit und die Einstellungen zu klären, die unser volles Potenzial einschränken.

Für mich geht es nicht darum, weitere Ströme zu entdecken, sondern um unsere Verbindung mit dem Schöpfer, wenn wir JSJ praktizieren und unseren Alltag leben.

Je tiefer wir in die Philosophie dieser großen „Kunst“ eintauchen, desto mehr erwachen wir zu einem Weg mit dem Ziel der Leere und dazu, dieser klare Kanal zu sein. Jeder wächst auf seine eigene Weise. Es geht um deinen Prozess. Im Moment beschäftige ich mich mit dem Unterschied zwischen Tun und Sein. Den Fluss des Schöpfers in allem zu spüren, was ich bin. Das beschäftigt mich heute. Es geht nicht darum, an etwas festzuhalten. Es geht um mich, um das SEIN und mein Sein in Beziehung zur Quelle.“

Christine Eschenbach:

Fantastisch, lieber Jed. Es ist so üblich für uns, uns auf das *Was* zu konzentrieren. Welche Übung soll ich machen? Welches „Sicherheits“-Energieschloss soll ich für welches Vorhaben verwenden? Wenn ich nur das *Was* aus dem Kurs übernehme, ohne das *Wie* zu verinnerlichen, dann kopieren wir lediglich eine äußere Technik, ohne unsere Wahrnehmung der Welt und der Wirklichkeit zu schulen, die dahinterstehen.

Wir leben in Zeiten großer Veränderungen. Das betrifft auch JSJ-Gemeinschaften in verschiedenen Ländern. Kannst du uns einen kurzen Einblick in die Entwicklung von JSJ in den USA geben, insbesondere nachdem das Büro in Scottsdale verkauft wurde?

Jed Schwarz:

„Es gibt immer Veränderungen – in der Menschheitsgeschichte und auch im JSJ.

JSJ Inc. gehörte der Familie Burmeister. Es bildete den Rahmen, innerhalb dessen Mary Burmeister JSJ weitergeben konnte und war notwendig, damit sie ihre Arbeit tun konnte. Als sich die Welt zu verändern, begann und während Covid, gerieten JSJ Inc. und das Büro in Scottsdale in Schwierigkeiten. Es musste ein neuer Rahmen gefunden werden, damit Jin Shin Jyutsu weiterbestehen konnte – einer, der die Flamme am Leben hält und gleichzeitig Mary und ihrer Art und Weise, Jin Shin Jyutsu zu teilen und zu leben, treu bleibt.

Die Mehrheit des Lehrkörpers von JSJ Inc. und die Burmeisters erkannten, dass sich die Struktur ändern musste, damit Marys Arbeit weitergeführt werden konnte.

Es war die Geburt einer neuen Bewegung, einer neuen Schwingung, bei der die Mehrheit des Lehrkörpers mit voller Unterstützung und Zustimmung der Burmeisters zusammenkam, um unseren gemeinnützigen Verein  (non profit organisation)Jin Shin Jyutsu Spirit Mind Body (JSJSMB) zu gründen.

Es ist wichtig zu wissen, dass die Familie Burmeister ihr Unternehmen nicht verkauft hat. JSJ Inc. besteht weiterhin und verbreitet Marys Textbücher sowie ihre Selbsthilfebücher. Sie hat lediglich ihr Bürogebäude verkauft.  Die Burmeisters haben die Lehre von Marys Arbeit an unsere neu gegründete „Non Profit-Organisation -Spirit Mind Body“ übertragen. Sie vertrauten uns in dieser neu geschaffenen Organisation, Marys Arbeit, Vision und Material weiterzuführen, ohne sie zu verändern. So übertrugen uns die Burmeisters Marys Erbe und ihre Originalunterlagen aus Japan, um sie in die Zukunft zu tragen. Es war von entscheidender Bedeutung, dass sie uns vertrauten, Marys Werk zu bewahren und weiterzuführen. Sie wussten, dass andere Menschen JSJ weitergaben, jedoch weder mit JSJ Inc. noch mit den Burmeisters verbunden waren. Sie sorgten sich darüber, wie Menschen Marys Arbeit verändern und falsch darstellen könnten.

Von Anfang an haben die Lehrkräfte von JSJSMB weiterhin mit den Burmeisters kommuniziert und sie unterstützt.

Es hat uns unglaublich viel Energie, Zeit und finanzielle Mittel gekostet, JSJSMB aufzubauen. Eine Non Profit-Organisation lebt von Spenden, und wir, die 17 Lehrer von JSJSMB, haben persönlich dazu beigetragen, die Organisation aufzubauen und zu erhalten, indem wir einen Teil unserer Kurseinnahmen an JSJSMB und JSJ Inc. abgeführt haben. Die Büros, die die Kurse organisieren – wie das in Bonn und jene in anderen Ländern –, müssen unterhalten und finanziert werden, ebenso die Website und vieles mehr.“

Waltraud erklärte uns, dass solche Non Profit-Organisationen in den USA sehr verbreitet sind und aus dem Gedanken des Gemeinwohls hervorgehen. Sie ähneln einem gemeinnützigen Verein, sind aber nicht genau dasselbe. Es wird ein Stiftungsfonds aufgebaut, der es ermöglicht, für kommende Projekte Finanzmittel zur Verfügung zu haben. Das Ziel einer gemeinnützigen Organisation ist nicht, Geld zu verdienen, sondern – in unserem Beispiel – einen Rahmen bereitzustellen, der die Verbreitung von JSJ in der ganzen Welt unterstützt.

Ich danke dir, lieber Jed, und dir, liebe Waltraud, für dieses warme und herzliche Gespräch und für das differenzierte und nachdenkliche Bild, das dadurch für unsere Leser entstanden ist.

Ich würde diese Art von Gespräch sehr gerne fortsetzen.

Dieses Interview erschien im Main Central 3/2026 Sommerausgabe Nr. 106. Wir danken Christine Eschenbach für die Bereitstellung.

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